Schlechtes Fell beim Hund

Probleme mit schlechtem Fell und schuppiger oder entzündeter Haut beim Hund können sehr vielfältige Ursachen haben.

Zum einen verursachen selbst hergestellte Rationen, die nicht von einem Experten überprüft und über längere Zeit gegeben wurden, durch Mangel oder Überversorgung an diversen Nährstoffen unterschiedliche Hautprobleme und schlechtes Fell beim Hund. Schlechtes Fell durch Barfen ist also möglich. Dies kann sich beispielsweise durch ein stumpfes Fell infolge inkorrektem Barf zeigen.

Zum anderen gibt es natürlich auch Erkrankungen der Haut, die nicht auf eine fehlerhafte Fütterung zurückzuführen sind.

Dazu zählen beispielsweise
- parasitäre Hautinfektionen wie Cheyletiellen, Flöhe, Sarkoptesmilben,
- Infektionen der Haut mit Bakterien oder Pilzen,
- allergische Hauterkrankungen (Reaktion auf Flohbisse, Futtermittel oder Umgebungsallergene),
- Störungen des Hormonhaushaltes (unter anderem Schilddrüsenprobleme oder Nebennierenerkrankungen) und
- Hautprobleme in Verbindung mit Tumorerkrankungen.

Manchmal ist zudem eine bakterielle Fehlbesiedlung des Darmes verantwortlich für den schlechten Zustand von Haut und Fell. Dabei bilden Bakterien im Darm aus schwer verdaulichen Eiweißen schädliche Abbauprodukte wie Ammoniak, Amine oder aromatische N-Verbindungen. Wird das Futter gewechselt, kann sich die bakterielle Besiedlung ändern. Die „schlechten“ Bakterien werden von den „guten“ Bakterien verdrängt, die keine schädlichen Abbauprodukte bilden. Infolgedessen verbessert sich das Hautbild wieder.

Ein großes Thema im Zusammenhang mit Hautproblemen und Futter ist die Futtermittelallergie. Da dies einer umfangreichen Abhandlung bedarf, die hier den Rahmen sprengt, gibt es dazu ein extra Kapitel Nahrungsmittelallergie beim Hund.
Hunde, die eine Futtermittel-Allergie haben, fallen neben Magen-Darm-Symptomen häufig durch Haut- und Fellveränderungen auf. Ein solcher Hund schleckt sich wund oder der Hund hat immer wieder eine Hautentzündung (sogenannter Hot Spot). Wenn ein allergischer Hund auf der Haut keine Ekzeme hat, kann es auch einfach sein, dass ein Hund haart wie verrückt. Ein Hund mit Haarausfall oder ein Hund, bei dem das Fell schuppig ist, ist immer auch ein Verdachtskandidat für eine Allergie. Das Fell stinkt, ist stumpf und struppig sowie schuppig. Der betroffene Hund hat also Hautentzündungen, ein Hautekzem, schleckt sich wund, hat schuppige Haut und ein stumpfes Fell.

Ein Hund schleckt sich wund, weil er aufgrund der Allergie unter quälendem Juckreiz leidet. Auf dieser geschädigten Haut vermehren sich Hefepilze stark, die wiederum ebenfalls Juckreiz auslösen. Der Hund schleckt sich noch mehr wund - ein Teufelskreis entsteht.

Wie weiter oben schon erwähnt, haben allergische Hund häufiger einen sogenannten Hot Spot, ein scheußliches Hautekzem bei einem Hund. Bei einem Hund entsteht dieses Hautekzem in der Regel infolge einer Allergie - ein Hautekzem beim Hund tritt aber nicht nur infolge einer Nahrungsmittelallergie bei einem Hund auf, sondern auch beispielsweise bei einer Allergie gegen Flohspeichel.

Schlechtes ernährungsbedingtes Fell von einem Hund, welches nicht auf Unverträglichkeiten oder Allergien beruht, ist unter anderem abhängig von der Versorgung des Hundes mit Fett, Ungesättigten Fettsäuren, Zink, Vitamin A und Biotin.
Schlechtes Fell durch beziehungsweise beim Barfen ist also als Alarmsignal zu werten, dass mit der Ration etwas nicht stimmt. Sei es, dass die Nährstoffzusammensetzung mangelhaft ist oder dass der Hund auf ein oder mehrere Futtermittel allergisch reagiert. Generell sollte ein Hund mit einer Hauterkrankung so optimal und exakt wie irgend möglich ernährt werden, damit die Hautbarriere optimal aufgebaut werden kann.

Hund haart extrem
Immer wieder gibt es Hunde, bei denen der Haarausfall ganzjährig so stark ist, dass sie Berge von Fell haaren. Ein Hund haart extrem, wenn er nicht optimal mit Nährstoffen versorgt wird. Ein Hund mit Haarausfall kann schon auf kleinere Abweichungen von der empfohlenen Nährstoffversorgung mit extremen Haarausfall reagieren. Es gibt aber auch Hunde, die infolge einer Nahrungsmittelallergie unter extremen Haarausfall leiden. Wenn ein Hund extrem haart, sollte unbedingt die Fütterung nachgerechnet werden. Manches mal passt das Fertigfutter "von der Stange" einfach nicht zu dem betroffenen Hund.

Schuppige Haut beim Hund oder ein Hund mit Hautentzündung benötigt bei folgenden Nährstoffen besondere Aufmerksamkeit:

Fett
Werden Rationen gefüttert, die zu wenig Fett enthalten (beispielsweise Fleisch mit Gemüse ohne Fett- oder Öl- Zusatz) führt dies – neben einer wahrscheinlichen Abmagerung aufgrund der zu geringen Energieversorgung – zu einem Fell, das schuppig und stumpf ist. Außerdem kommt es zu einer Seborrhoe (fettiges Fell mit Schuppen), einer nicht so seltenen Hauterkrankung bei einem Hund. Grund ist ein Mangel an ungesättigten Fettsäuren.

Ungesättigte Fettsäuren
Werden dagegen zu viele ungesättigte Fettsäuren gefüttert, steht dem Körper das verabreichte Vitamin E nicht mehr ausreichend zu Verfügung. Bei Vitamin-E-Mangel ist die Haut des Hundes öfters entzündet und schuppt. Daher muss bei einer vermehrten Zufütterung von ungesättigten Fettsäuren auch mehr Vitamin E und Selen gefüttert werden.
Ungesättigte Fettsäuren haben aber auch einen sehr positiven Effekt bei Hautentzündungen. Daher bietet es sich an vermehrt omega-3-Fettsäuren zu füttern. Dazu zählen z.B. die Eicosapentaensäure (in Heringsöl) oder die gamma-Linolensäure (in Nachtkerzen-, Borretsch- oder Leinöl). Dies ist auch der Grund, warum in kommerziellen Produkten für die Haut- und Fellgesundheit höhere Mengen omega-3- und omega-6-Fettsäuren enthalten sind.

Zink
Wenn ein Hund extrem haart und Parakeratosen hat, kann ein Zinkmangel die Ursache sein. Parakeratosen sind übermäßige Verhornungen der Haut bei schlechter Hornqualität.
Zu beachten ist, dass nicht nur eine zu geringe Gabe an Zink zu Zinkmangel führt, sondern auch zu viel Kalzium oder Phytinsäure (viel in Getreide, Ölsaaten, Hülsenfrüchten enthalten) in der Ration. Dadurch wird die Verwertung von Zink im Körper vermindert, so dass es zu einer Unterversorgung kommt, obwohl auf den ersten Blick genügend Zink enthalten ist.
Zink ist in vielen Barf-Rationen zu wenig enthalten, da es schwierig ist den Bedarf zu decken. Die einzigen Lebensmittel, die reich an Zink sind, sind nämlich Getreide (möchten viele nicht füttern), Leguminosen (können beim Hund auch nur begrenzt eingesetzt werden) und Nüsse.

Vitamin A
Durch fehlerhafte Futterzusammensetzung entstehender Vitamin-A-Mangel führt zu Hyperkeratosen (übermäßige Verhornung), Haarausfall und vermindertem Haarwachstum.
Bei normalen Barf-Rationen mit Leber ist aber meistens Vitamin A ausreichend enthalten. Im Gegenteil - meistens liegt sogar eine hoffnungslose Vitamin A - Überversorgung vor.

Biotin
Werden einem Hund als Leckerbissen häufig rohe Eier verabreicht oder ist die Darmflora gestört, kann Biotinmangel auftreten. Das Fell vom Hund ist stumpf und spröde; es treten Ekzeme und Seborrhoe auf der Haut von dem Hund auf.
Eigentlich sollte der Hund in der Lage sein, seinen Biotin-Bedarf komplett selber zu decken, indem Bakterien im Darm Biotin bilden. Manchmal ist dies aber nicht der Fall. Meyer, Zentek et. al. empfehlen deshalb eine Mindestversorgung von 2 mcg pro kg Körpergewicht an Biotin über das Hundefutter.
Aus eigener Erfahrung kann ich diese Mindestzulage nur bestätigen, da unsere eigenen Hunde mit weniger Biotin ein weniger glänzendes Fell hatten. (Der Unterschied war deutlich zu sehen!) Viel schlimmer waren aber die in regelmäßigen Abständen abgebrochenen Krallen. Eine Zeit lang hatte ich dadurch ständig irgendeinen Hund von uns mit Krallenverletzungen zu behandeln. (Ich bin deshalb inzwischen Experte in Krallenbehandlungen...)
Auf dem Foto sieht man zwei unserer Hunde. Diese beiden "Holz-Häcksler" haben definitiv keinen Biotin-Mangel mehr, wie sehr schön an dem glänzenden Fell zu sehen ist.

Lesenswerte Links:
Fertigfutter (Trockenfutter, Nassfutter) für Hunde mit schlechtem Fell, Hautproblemen
Futterrezepte vom Futter-Tierarzt XaraVet zum Selbermachen von Hundefutter
Futterkomponenten


Autor:

Tierärztin Cornelia M. Bauer


Quellen:

„Grundriss der speziellen pathologischen Anatomie der Haustiere“, Dahme, 6. Auflage
„Ernährung des Hundes“, Meyer, Zentek, 5. Auflage


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