Sportpferd richtig füttern

Die Sportpferdefütterung ist abhängig von der Leistungsart. So ist die Fütterung eines Sportpferdes, welches kurzfristig sehr hohe körperliche Leistungen erbringen muss (Springpferde, Trab- und Galopp - Rennpferde) nicht zu vergleichen mit einem Sportpferd, welches über einen längeren Zeitraum arbeiten muss (Vielseitigkeitspferd, Distanzpferd).
Bei allen Sportpferden, egal ob sie als Springpferd, Rennpferd, Dressurpferd, Distanzpferd, Westernpferd, ... genutzt werden, ist allerdings die richtige bedarfsdeckende Fütterung das A und O, damit die Sportpferde die bestmögliche Leistung erbringen können. Diese richtige Fütterung des Sportpferdes muss natürlich schon im Training eingehalten werden, so dass das Sportpferd mit einem optimalen Stoffwechsel in den Wettkampf gehen kann. Außerdem müssen alle Futterbestandteile staubarm und von höchster Qualität sein.

Sportpferde unter langen Belastungen müssen anders gefüttert werden als Sportpferde mit kurzfristigen Höchstleistungen. Mit anderen Worten: Dressurpferde füttern ist eine ganz andere Aufgabe als die Ernährung von einem Distanzpferd. Zur Fütterung von einem Distanzpferd werden bis zu einer dreifachen Energiemenge pro Tag benötigt, während zur Fütterung von kurzbelasteten Pferden wie Dressurpferde eine bis zu zweifach erhöhte Energiemenge ausreicht.

Zu einer optimalen Fütterung von Sportpferden gehört unter anderem natürlich eine ausreichende Versorgung mit Energie. Zur energetischen Aufwertung des Sportpferdefutters empfehlen sich bei Fütterung von Rennpferden, Dressurpferden und Springpferden stärkereiche Futtermittel, wie beispielsweise Hafer. Noch besser zur Fütterung von Dressurpferden, Rennpferden und Springpferden sind thermisch aufgeschlossen Getreidekörner wie beispielsweise extrudierte Gerstenflocken. Um Rennpferde, Dressurpferde und Springpferde richtig füttern zu können und die Stärkeaufnahme trotzdem nicht zu groß werden zu lassen, empfiehlt es sich einen Teil der Stärke durch Zufütterung von Pflanzenöl zu ersetzen. Außerdem sollte die Kraftfutter - Ration auf mindestens drei bis vier mal tägliche Fütterungen aufgeteilt werden.
Stärke ist zwar ein guter Energielieferant, allerdings birgt Stärke auch das Risiko im Dickdarm Fehlgärungen hervorzurufen. Durch diese Fehlgärungen ändert sich die Bakterienbesiedelung im Darm des Sportpferdes dahingehend, dass vermehrt krankmachende Bakterien entstehen. Diese krankmachenden Bakterien bilden Stoffe (Toxine), die Koliken und Hufrehe auslösen können.

Am Turniertag sollte man morgens das Sportpferd in mehreren kleineren Portionen füttern. Die morgendliche Fütterung wird also aufgeteilt, damit das Sportpferd optimal gefüttert in den Wettkampf gehen kann. Das Heu kann gehäckselt angeboten werden. (Achtung! Nicht zu klein häckseln!) Das Kraftfutter wird in mehreren kleineren Portionen und im Abstand von ungefähr einer Stunde gefüttert.
Generell gilt: zwischen der Fütterung des Sportpferdes mit Kraftfutter und dem Training beziehungsweise Wettkampf sollten vier Stunden liegen. Nach der Bewegung muss noch zwei Stunden gewartet werden bis die Sportpferde wieder Kraftfutter fressen dürfen. Nach einer besonderen Anstrengung bietet es sich auch an, dass die erste Fütterung des Sportpferdes nach der Leistung Mash ist.

Bei der Fütterung von Vielseitigkeitspferden und Distanzpferden sollte die Kraftfutter - Ration fettreicher sein als bei kurzbelasteten Pferden (Springpferde, Dressurpferde).
Das Hauptaugenmerk bei Distanzpferden und Vielseitigkeitspferden liegt auf dem Wasserhaushalt und dem Haushalt an Elektrolyten. Calcium darf nicht übermäßig bei der Fütterung von Vielseitigkeitspferden und Distanzpferden enthalten sein. Da die Vielseitigkeitspferde und Distanzpferde durch den Schweiß viel Salz verlieren, sollte dieses unbedingt auch angeboten werden. Lecksteine werden nicht von allen Pferden angenommen und die Salzmenge, die aufgenommen wird, lässt sich so auch schwer kontrollieren. Besser ist es daher, eine kontrollierte Menge Viehsalz dem Futter für Distanzpferde und Vielseitigkeitspferde beizumengen.
Vier Stunden vor einem Wettkampf sollte das Vielseitigkeitspferd beziehungsweise das Distanzpferd nicht mehr gefüttert werden. Die letzte Fütterung besteht aus einer kleineren Menge Kraftfutter, gegebenenfalls mit Viehsalz. Erst zwei Stunden nach der Belastung darf wieder die nächste Fütterung stattfinden.
Bei längeren Pausen von über einer Stunde während des Wettkampfes sollten Vielseitigkeitspferde und Distanzpferde mit einem energie-, faser- und salzreichem Gemisch gefüttert werden sowie viel Wasser angeboten bekommen.

Die Fütterung zum Muskelaufbau eines Pferdes unterscheidet sich von der Fütterung zum Muskelerhalt.
Zum Muskelaufbau eines Pferdes am Anfang des Trainings kann ein erhöhter Anteil an Protein gefüttert werden. Protein liefert beispielsweise Sojaextraktionsschrot. Keinesfalls sollte das Pferd aber über einen längeren Zeitraum diese erhöhte Proteinmenge bekommen, da dies nicht optimal für verschiedene Organsysteme ist. Die Nieren beispielsweise werden durch dauerhaft überhöhte Poteinmengen verstärkt belastet. Zu Beginn des Trainings, wenn erst noch Muskeln aufgebaut werden müssen, oder im Wachstum sind Proteingaben allerdings hilfreich. Der Muskelaufbau eines Pferdes kann also mit Hilfe der richtigen Fütterung unterstützt werden.
Normalerweise sollte das Protein-Energie-Verhältnis bei der Fütterung von Pferden bei 8:1 Protein:Energie liegen. Ein Verhältnis von bis zu 12:1 bei der Fütterung von Pferden wird aber ohne Auswirkungen toleriert.

Die Heumenge zur optimalen Fütterung von Sportpferden liegt zwischen 1,6 – 2,3 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht. Manchmal bietet es sich auch an, einen Teil des Heus zur optimalen Fütterung von Sportpferden durch Luzernehäcksel zu ersetzen. Kraftfutter kann in unterschiedlichen Kombinationen durch Hafer, extrudierte Gerstenflocken, Maisflocken, Trockenschnitzel und / oder Mischfutter für Sportpferde gefüttert werden.

Bei der Fütterung von Sportpferden ist selbstverständlich auch die Dopingrelevanz zu beachten: Reiskeimöl beispielsweise enthält gamma-Oryzanol, darf also nur mit eingehaltener Karenzzeit eingesetzt werden. Außerdem muss verzichtet werden auf Kräuter, ätherische Öle sowie Bierhefe in größerer Menge. Auch nützliche Zusatzfuttermittel wie Aloe, DMSO (Dimethylsulfoxid) und Ingwer sind am und vor den Turniertagen nicht verwendbar.

Andere Ergänzungen wie Dimethylglycin, Methylsulfonylmethan, L-Carnitin, Vitamin C und Docosahexaensäure können zugesetzt werden, die Wirksamkeit ist allerdings unklar.

Viel sinnvoller und nicht dopingrelevant ist die korrekte Zusammensetzung der Ration.
2015 haben Kienzle et al. die Fütterung der Springpferde (51 S - Springpferde aus 12 Ställen) überprüft.
Bei 62% der Springpferde - Ställe war die Fütterung nicht korrekt. Die Springpferde - Ställe aber, die ihre Springpferde richtig gefüttert haben, waren allesamt die erfolgreichsten Ställe im FN-Ranking!
Fazit ist also: das richtige Füttern von Sportpferden (sei es nun Dressurpferde, Distanzpferde, Rennpferde, Springpferde, Vielseitigkeitspferde oder Westernpferde) trägt maßgeblich zum Turnier-Erfolg bei.

Lesenswerte Links:
Müsli, Mash für Sportpferde
Mineralfutter für Sportpferde
XaraVet - Tierärztliche Rationsberechnung für ein Pferd

Autor:

Tierärztin Cornelia M. Bauer

Quellen:

„Pferdefütterung“, Meyer, Coenen, Vervuert, 2014
Foto: "Meydan FEI Nations Cup Rome 2009" von Claudio Gennari, Some rights reserved, piqs.de
Foto: "Und platsch..." von Stefan von Frihling, Some rights reserved, piqs.de


Konsultieren* Sie unsere Expertin
Tierärztin Cornelia Bauer
* kostenpflichtig

+49 151 / 53 52 88 53 oder +49 228 / 280 52 63

cornelia.m.bauer@t-online.de

www.xaravet.de