Blutbild Pferd für Mineralien und Vitamine sinnvoll?

Häufig wird ein Blutbild bei einem Pferd gemacht, um dessen Versorgung mit Mineralien zu überprüfen.
Ein Blutbild bei einem Pferd zur Überprüfung der Versorgung mit Mineralien wie Mengenelementen und Spurenelementen ist aber nicht immer bezüglich der Richtigkeit der Fütterung aussagekräftig.

Ob ein Pferd genügend oder vielleicht sogar zu viel Eiweiß aufnimmt, lässt sich gut durch ein Blutbild bei einem Pferd überprüfen. Bei einem Eiweißmangel ist im Blutbild von einem Pferd die Albumin - Konzentration erniedrigt. Bei einer Eiweißüberversorgung bei einem Pferd tritt ein hoher Harnstoffgehalt im Blutbild auf.
Keine Aussage allerdings kann anhand eines Blutbildes über die Eiweißqualität gemacht werden. Das heißt, dass zwar durch ein unauffälliges Blutbild geklärt ist, dass das Pferd genügend Eiweiß aufnimmt, aber nicht, ob alle Aminosäuren in genügender Konzentration vorliegen. Aminosäuren sind die Bausteine des Eiweißes. Es kann also durchaus sein, dass von einer Aminosäure sehr viel in der Ration vorhanden ist, von einer anderen dagegen zu wenig!
Die Eiweißqualität lässt sich daher nur über eine Rationsüberprüfung beurteilen.

Im Blutbild bei einem Pferd kann Selen gut beurteilt werden. Daher kann durch ein Blutbild bei einem Pferd ein Selenmangel festgestellt werden. Der Selenwert im Blutbild bei einem Pferd sollte zwischen 0,6 und 3,1 micromol/l liegen. Das Blutbild beim Pferd gibt aber bezüglich Selen nur Aufschluß über die aktuelle Selenversorgung. Chronische Überversorgungen mit Selen lassen sich besser über die Analyse von Schweifhaar, Mähnenhaar oder Hufhorn aufdecken.

Wird ein Selenmangel über ein Blutbild festgestellt, muss dieser Mangel natürlich durch eine Zufütterung von Selen behoben werden. Wenn ein nachfolgendes Blutbild einen normalen Selenspiegel angibt, ist das Thema damit aber noch nicht erledigt! Auf alle Fälle muss eine Rationsberechnung durchgeführt werden, damit offenbar wird, wieviel Selen zu der jeweiligen Ration ergänzt werden muss und somit die Selenversorgung auch in Zukunft gesichert ist. Es hilft schließlich nichts, wenn nach drei Monaten wieder ein Mangel festgestellt wird oder im anderen Fall vielleicht eine Überversorgung mit Selen vorliegt...

Das Blutbild bei einem Pferd gibt ebenfalls Aufschluß über die Versorgung mit Magnesium. So lassen sich in einem Blutbild bei starker Unterversorgung oder starker Überversorgung mit Magnesium erniedrigte oder erhöhte Magnesium - Gehalte feststellen. Geringere Abweichungen des Magnesium - Gehaltes von den Bedarfswerten können aber nicht aufgedeckt werden. Zudem wird normalerweise bei zu großer Aufnahme von Magnesium dieses über die Nieren ausgeschieden. Letztlich muss also zur exakten Beurteilung der Versorgung mit Magnesium die Ration des Pferdes durchgerechnet werden.

Die Versorgung eines Pferdes mit Natrium und Kalium ist mittels Blutbild eingeschränkt aussagekräftig. Nur 2% des gesamten Kaliumgehaltes des Pferdes befindet sich nämlich im Blut.
Normalerweise nehmen Pferde durch das Grünfutter beziehungsweise das Raufutter weit mehr Kalium auf als für den Grundbedarf notwendig. Diese überschüssigen Kaliummengen werden über die Niere wieder ausgeschieden. Wenn allerdings im Blutbild eines Pferdes Kalium erhöht ist, kann dies ein Hinweis auf eine Hyperkaliämische Periodische Paralyse (HYPP) sein. Meist ist aber Kalium im Blutbild eines Pferdes erhöht, weil die Blutprobe nach Entnahme hämolytisch geworden ist. Eine hämolytische Blutprobe entsteht, wenn nicht direkt nach der Blutentnahme die Erythrozyten von dem Plasma getrennt wurden. Neben Kalium können bei einer Hämolyse auch Phosphor, Magnesium und Eisen erhöht sein.
Ein zu niedriger Kalium - Spiegel im Blutbild eines Pferdes kommt bei einer zu geringe Heuaufnahme oder bei Durchfall vor.

Die Versorgung mit Kalzium ist mittels einem Blutbild bei einem Pferd nicht zu überprüfen. Der Gehalt an Kalzium wird im Blut vom Körper konstant gehalten. Erst bei massiven Fehlversorgungen, wenn der Kalziumgehalt nicht mehr beispielsweise aus dem Knochen ins Blut geleitet werden kann, werden Abweichungen von einer normalen Kalziumkonzentration sichtbar. Dann sind aber in der Regel schon Folgeschäden wie beispielsweise eine Knochenerweichung eingetreten.
Für eine Beurteilung der Kalziumversorgung eines Pferdes muss daher eine Rationsberechnung erstellt werden.

Ein Zinkmangel im Blutbild eines Pferdes weist auf einen extremen und längere Zeit bestehenden Mangel hin. Daher ist ein Blutbild bei einem Pferd bezüglich der Versorgung mit Zink insoweit aussagekräftig, dass extreme und schon länger bestehende Unterversorgungen des Pferdes mit Zink erkannt werden.

Wenn im Blutbild eines Pferdes Kupfer erhöht ist, muss nicht zwangsläufig zu viel Kupfer in der Ration enthalten sein. Möglicherweise hat das Pferd auch eine Lebererkrankung.
Wenn Kupfer im Blutbild eines Pferdes zu niedrig ist, deutet dies genau wie bei Zink auf einen länger bestehenden sehr großen Mangel hin.

Generell versucht der Körper bei den meisten Nährstoffen die Konzentration im Blut so lange wie möglich im normalen Bereich zu halten. Dazu wird aus dem Pool außerhalb der Blutbahn die benötigte Menge Nährstoffe in das Blut geschleust, um die Konzentration auf der richtigen Höhe zu halten. Bei einer Überversorgung werden die Nährstoffe aus dem Blut in den Pool außerhalb der Blutbahn geschoben.

Eine Mangelversorgung tritt also erst offensichtlich im Blutbild auf, wenn sämtliche Reserven aufgebraucht sind und das System zusammenbricht.
Bei einer offensichtlichen Überversorgung ist der Pool außerhalb der Blutbahn voll und das System ebenfalls zusammengebrochen.

Aus diesen Gründen ist es sinnvoll, wenn ein Blutbild kritisch betrachtet wird und im Idealfall eine Rationsberechnung durchgeführt wird. Bei einer Rationsberechnung wird der Nährstoffgehalt der gesamten Ration mit den Bedarfswerten, die das jeweilige Pferd hat, verglichen. Wer es richtig exakt haben möchte, kann statt den Durchschnittnährwerten von Heu, Silage oder Gras eine eigene Nährstoffanalyse von Heu, Silage oder Gras anfertigen lassen und diese dann für die Rationsberechnung verwenden.

Wenn in einem Blutbild Abweichungen von der normalen Nährstoffkonzentration festgestellt werden, muss von den abweichenden Nährstoffen mehr / weniger verfüttert werden. Die Frage ist nur - wie viel mehr oder weniger? Dies kann nur durch eine Rationsberechnung festgestellt werden, da mittels einer Berechnung genau offengelegt wird, wieviel mg von dem betreffenden Nährstoff ergänzt oder weggelassen werden muss. Nur so kann das betroffene Pferd sinnvoll gefüttert werden.

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Autor:

Tierärztin Cornelia M. Bauer

Quellen:

„Pferdefütterung“, Meyer, Coenen, 5. Auflage
„Klinische Diagnostik in der Pferdepraxis“, Taylor, Hillyer, 2. Auflage
Foto: "Pferd losgelassen" von Oso, Some rights reserved, piqs.de


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