Fohlenfütterung im ersten Lebensjahr

Direkt nach der Geburt ist es überlebenswichtig, dass neugeborene Fohlen innerhalb einer Stunde an der Stute trinken. Ist dies nicht der Fall, nehmen sie zu wenig (oder gar kein) Kolostrum auf. Kolostrum enthält unter anderem Immunglobuline. Diese sorgen dafür, dass Infektionserreger abgewehrt werden, bis das Immunsystem des Fohlens ausgereift genug ist, um sich selber zur Wehr zu setzen. Ist das Fohlen nicht in der Lage, selber an der Stute zu trinken, muss die Stute gemolken werden und die Milch dem Fohlen mit der Flasche angeboten werden. Für den Fall, dass die Stute nicht genug bzw. gar keine Milch hat, ist es von Vorteil, wenn auf Vorrat (z.B. von früheren Fohlen oder anderen Stuten des selben Stalls) Kolostrum eingelagert ist (bei -20°C lagern).

Der nächste Punkt, den es bei neugeborenen Fohlen zu beachten gibt, ist der Mekoniumabgang. Dieser sollte nach 12 Stunden abgesetzt sein. Wichtig dabei ist die Menge des abgesetzten Mekoniums. Diese beträgt ungefähr 1 kg. Ist es weniger, muss davon ausgegangen werden, dass es sich um ein Mekoniumverhalten handelt. Diese ist lebensbedrohend und muss tierärztlich behandelt werden.

In den ersten 5 Wochen nach der Geburt ist es völlig normal, wenn das Fohlen die Pferdeäpfel der Stute frisst. Mit diesem Verhalten stellt es seine eigene Darmflora her.
Im 2. Lebensmonat beginnen die Fohlen bei der Stute mitzufressen. Daher kann man ab der 6. Lebenswoche mit der Zufütterung beginnen. Ergänzungsfutter (Fohlenaufzuchtfutter) wird in einer Menge von bis zu 1 kg pro Tag gefüttert. Zusätzlich gibt man Hafer oder Maisflocken. Die Gesamtmenge von Aufzuchfutter und Zusatz sollte ungefähr bei 1kg pro 100kg Körpergewicht liegen. Pro Lebensmonat wird diese Gesamtmenge um ca. 0,5 kg gesteigert.

Über die Fütterung lässt sich die Geschwindigkeit der Entwicklung von Fohlen steuern. Knapp gefütterte Fohlen enwickeln sich langsamer, wodurch sie erst später züchterisch bzw. reiterlich genutzt werden können. Die spätere Körpergröße kann nicht durch die Fütterung beeinflusst werden, sie wird lediglich später erreicht. Es gibt auch keine gesundheitlichen Schäden, die durch eine solche Form der Fütterung entstehen könnten. Einziger Nachteil einer restriktiven Fütterung sind erhöhte Futterkosten, da mehr Erhaltungsfutter gegeben werden muss.

Bei einer intensiven Aufzucht mit reichlich Futter wachsen die Fohlen schneller, können also auch früher genutzt werden. Nachteil ist allerdings das Risiko von Skelettschäden, da das Gewicht durch die schneller wachsenden Muskeln deutlich höher ist. Das Knochen- und Knorpel-Wachstum lässt sich aber nicht durch die Fütterung beschleunigen. Stattdessen ist maßgeblich für dessen Entwicklung eine ausreichende Bewegungsmöglichkeit. Letztlich muss also das unreife Skelett bei einer intensiven Fütterung mehr Gewicht aushalten, als bei einer restriktiven Aufzucht.

Nach 6 - 9 Lebensmonaten wird das Fohlen abgesetzt. Eine Woche vor dem geplanten Termin wird das Futter der Stute reduziert und Stute und Fohlen jeweils für ein paar Stunden getrennt. Nach dem Absetzen müssen die B-Vitamine und Eiweiß, welches vorher durch die Stutenmilch zugeführt wurden, durch die Zufütterung abgedeckt werden. Der Eiweißbedarf von Fohlen ist direkt nach der Geburt am höchsten und fällt dann bis zum Alter von 8 - 9 Monaten ab. Während der Eiweißbedarf abfällt, steigt der Energiebedarf. Da weder Heu noch Hafer genügend Protein enthalten, muss ein passendes Absetzfutter zugefüttert werden. Dies ist z.B. Magermilchpulver oder Sojaextraktionsschrot (jeweils in einer Menge von 0,75g/100kg). Wie genau die Zusammensetzung der Zufütterung aussieht, hängt wesentlich von der Qualität der Weide ab, auf dem die Absetzer stehen. Bei grasreichen Weiden beispielsweise muss der Gehalt an Calcium, Kupfer und Selen überprüft werden.

Das gefütterte Heu muss von bester Qualität sein. Gerne wird Wiesen- und Leguminosenheu wegen seiner guten Nährstoffzusammensetzung gefüttert. Die Heumenge ist ebenso wie die Kraftfuttermenge von dem später erreichten Endgewicht abhängig. Beispielsweise ein Warmblut von später 600kg bekommt im 6. Monat 3,5 kg Heu (aktuelles Gewicht ca. 280kg) und im Verlauf der Monate eine Steigerung der Heumenge bis auf 5kg Heu pro Tag im 12.Lebensmonat (ca. 400kg aktuelles Gewicht). Die tägliche Kraftfuttermenge liegt bei 1,2 - 1,5 kg pro 100kg Körpergewicht, wovon 0,5 - 0,75kg Fohlenaufzuchtfutter und der andere Teil gequetschter Hafer ist.

Futterwechsel sowie eine zu große Eiweißzufütterung erhöhen das Risiko für eine Infektion mit Clostridium perfringens. Daher muss ein besonderes Augenmerk auf die korrekte Rationszusammensetzung gelegt werden. Um Überfressen und Fehlgärungen zu vermeiden, kann das Futter auf 3 - 4 Mahlzeiten verteilt werden und die Fressgeschwindigkeit durch Untermischen von Heuhäckseln verringert werden. Bei der Verfütterung von Silagen ist darauf zu achten, dass diese keine Erdbestandteile enthält, da diese prädisponierend für eine Clostridium botulinum - Infektion sind.

Lesenswerte Links:
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Fohlenmilch

Quellen:

„Pferdefütterung“, Meyer, Coenen, Vervuert, 2014
„Neonatologie der Pferde“, Knottenbelt, Holdstock, Madigan, 2007
„Tiergeburtshilfe“, Grunert, Arbeiter, Götze, Richter, 1993
Bilder: Iris Fritzsche


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